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4. Netzwerktagung der Integrierten Gesamtschulen im Kreis Groß-Gerau und Main-Taunus am 4. November 2010

(04.11.2010) Selbstorganisiertes Lernen und die Rhythmisierung der Ganztagsschule waren die Themen, mit denen sich Schulleitungen und fachkundige Lehrerteams der 10 Integrierten Gesamtschulen aus dem Verbund ProIGS im Kreis Groß-Gerau und Main-Taunus einen ganzen Tag lang beschäftigten. Sie wagten auch den Blick über den Zaun und holten sich die Erfahrung anderer Schulen als „best practice“ Beispiele ins Haus. Einen fundierten Einblick in das Konzept der „Freien Arbeit“ in der Montessori-Pädagogik vermittelte Frau Molter-Nawrath, Schulleiterin der Montessori-Schule Hofheim. Der Gedanke, dass das Lernen vom Schüler selbst geplant und gestaltet werden soll, zieht sich dort wie ein roter Faden durch die gesamte Pädagogik. Zu Beginn einer Woche legen die Schüler in persönlichen Wochenplanern fest, an welchen Schwerpunkten sie arbeiten wollen. Am Ende der Woche wird dies mit den Lehrkräften evaluiert und neue Ziele für die Folgewoche werden definiert.

Die Klassen werden von je zwei Mentor/innen betreut, die regelmäßige Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche führen. Dabei werden Lernentwicklungsberichte erstellt, die in Lernvereinbarungen münden und die herkömmlichen Notenzeugnisse bis zur 8. Klasse ersetzen.

Als Privatschule verfügt die Montessori-Schule über zahlreiche Mitarbeiter/innen unterschiedlicher Professionen und ein umfangreiches Betreuungsangebot am Nachmittag.

Ums „selbstorganisierte Lernen“ in der Martin-Niemöller Schule in Riedstadt ging es auch im Bericht von Frau Kursch und Frau Kriger über ein Unterrichtsprojekt, das eigenständiges Lernen analog zur Montessori-Pädagogik umsetzt.

Ein vierstündiger Unterrichtsblock „Freie Arbeit“ wird dort gebildet, abgezweigt aus den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Gesellschaftslehre. Das Lernmaterial wird von den jeweiligen Fachlehrkräften erarbeitet, die Schüler wählen nach individuellem Erfordernis aus, woran sie in einer Unterrichtswoche arbeiten wollen. Sie führen dazu ein Lerntagebuch, in dem am Wochenanfang die Lernvorhaben eingetragen werden. Die Lernergebnisse werden gemeinsam mit den Lehrkräften evaluiert und von den Eltern zur Kenntnis genommen.

In den 60-Minuten-Takt für Unterrichtseinheiten führte Frau Renner ein, die stellvertretende Schulleiterin der Paul-Hindemith Schule in Frankfurt. Schüler, Lehrer und Eltern sind mit diesem „entschleunigten“ Unterrichtstag hochzufrieden. Die erweiterten Zeitfenster schaffen mehr Ruhe und Konzentration zum Lernen, die geringere Anzahl unterschiedlicher Fächer pro Tag und die Verlängerung des Unterrichts in den frühen Nachmittag führen zu dieser positiven Bewertung.

Eine wichtige Rolle spielt allerdings dabei, dass die Hindemith-Schule als gebundene Ganztagsschule über zusätzliche Ressourcen verfügt.

Das 90-Minuten-Modell der IGS Kelsterbach, im vermeintlichen Kontrast dazu, stellte Frau Jühe, die Schulleiterin vor. Aber auch hier zeigen sich erhebliche Vorteile des beruhigten Unterrichtstags und der längeren Zeitfenster für das konzentrierte Lernen. Die IGS-Kelsterbach profitiert ebenfalls von einer höheren Lehrerversorgung als gebundene Ganztagsschule, sodass tägliche verpflichtende „Lernzeiten“ zum Üben und Arbeiten stattfinden können.

Nach der Darstellung von Beispielen guter Praxis diente der Nachmittag der Netzwerktagung der Diskussion und dem Gedankenaustausch. In zwei arbeitsgleichen Gruppen befassten sich die Vertreter/innen der teilnehmenden Schulen mit dem Thema „selbstorganisiertes Lernen“ und klopften die verschiedenen Konzepte auf ihre Stärken und Schwächen ab.

In schulbezogenen Arbeitsgruppen wurde geplant, wie die nächsten Arbeitsschritte zu diesem Ziel aussehen sollen und wie die Schulgemeinde in den Entwicklungsprozess einbezogen wird.

Am Schluss der Veranstaltung zeigte sich bei den Beteiligten Stolz und Zufriedenheit, dass es den IGSen wieder gelungen ist, eine informative, anregende und kreative Netzwerktagung auf die Beine zu stellen und damit „ihre“ Schulform weiter voran zu bringen.

Renate Pilgenröther
Schulleiterin der Alexander-von-Humboldt Schule Rüsselsheim


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