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Mülltonne fliegt durch den Stadtbus

(19.05.2010) Mit einem Briefwechsel fing es an: Schulklasse besucht die Stadtwerke

„Achtung, jetzt wird’s richtig gefährlich“, warnt Reinhard Blüm, Leiter des Verkehrsbetriebes der Stadtwerke Rüsselsheim. An Hand einer mit Steinen gefüllten Mülltonne will er der Klasse 6.2 der Alexander-von-Humboldt-Schule verdeutlichen, was passiert, wenn ein Fahrgast sich nicht festhält und der Bus bei Tempo 30 eine Vollbremsung hinlegen muss. Mit riesigem Krach fliegt die Tonne fünf Meter den leeren Gang im Bus entlang – und die Schülerinnen und Schüle sind erst erschrocken, dann beeindruckt von dieser Demonstration, die sie von den hinteren Sitzen des Busses aus live verfolgen konnten.



Der Besuch der Elf- bis Dreizehnjährigen geht auf einen Brief zurück, den Klassensprecherin Hayat Skali an die Stadtwerke geschrieben hatte. In einer Unterrichtsstunde, die der Schülervertretung vorbehalten ist, gab es Beschwerden über die vollen Busse, mit denen die Jugendlichen zur Schule fahren. Statt nur zu Meckern entschlossen sich die Sechstklässler zu handeln und einen Brief aufzusetzen. Darin regte die Klasse an, künftig zwei statt einem Bus einzusetzen.

Reinhard Blüm schrieb der Klasse zurück, dass aus wirtschaftlichen Gründen das Einsetzen eines zweiten Busses leider nicht möglich ist. „Alle Busse, die wir haben, sind morgens zu Schulbeginn und mittags nach Schulschluss im Einsatz.“ Einen weiteren zu kaufen, wäre zu teuer. Letztlich sind es allerdings nicht die Stadtwerke, sondern die Stadt und die von ihr getragene Lokale Nahverkehrsorganisation (LNO), die entscheiden, wie viele Busse im Einsatz sein sollen.



In seinem Antwortschreiben lud Blüm die Klasse zugleich ein, die Stadtwerke einmal zu besuchen. Dieses Angebot nahm die 6.2 gemeinsam mit Lehrer Manfred Pöller an. Mit einem Bus wurde die Klasse abgeholt und später zurückgebracht. Auf dem Gelände der Stadtwerke besichtigten sie unter anderem die Kfz-Werkstatt, wo sie einmal in der Fahrgrube unter einem Bus entlang spazieren durften.

Reinhard Blüm erläuterte, dass die Busse alle drei Monate einer Sicherheitsprüfung ähnlich dem TÜV unterzogen werden müssen. Der Leiter der Verkehrsbetriebe zeigte den Jugendlichen auch die Videokameras, mit denen es möglich ist zu belegen, wenn jemand den Fahrbetrieb stört oder gar im Bus etwas zerstört. Überraschte Kindergesichter gab es beim dem Hinweis, dass es ein Straftat ist, wenn jemand die Notbremse ohne wichtigen Grund auslöst.



Stadtwerke-Mann Blüm forderte die Kids auf, ihren MP3-Player während der Fahrt möglichst leise zu stellen oder gar nicht zu nutzen, um andere Fahrgäste nicht zu stören. Spätestens als er sie fragte, „oder wollt ihr mithören, wenn Euer Nachbar lieber Volksmusik mag“, waren diese einsichtig. Lehrer Pöller ist überzeugt, dass sich der Besuch bei den Stadtwerken gelohnt hat: „Die Jugendlichen werden ab morgen mit einem ganz anderen Bewusstsein Bus fahren.“

Jürgen Gelis

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